Thomas Urselmann
Thomas Urselmann

Der richtige Oberboden

Der richtige Oberboden u. was ist der Unterschied ?

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Zementestrich und Calciumsulfat-Fließestrich?

In erster Linie das Bindemittel und die Art der Estrichverlegung. Wie bereits der Name sagt, ist Zement das Bindemittel zur Herstellung von Zementestrich und Calciumsulfat das Bindemittel zur Herstellung von Calciumsulfat-Fließestrich. Zementestrich wird i.d.R. auf der Baustelle in erdfeuchter Konsistenz angemischt und mittels Druckluft auf die Einbaufläche gepumpt. Der zementäre Estrichmörtel muss händisch mit der Schaufel verteilt und mit einer Latte abgezogen werden. Die Estrichoberfläche wird anschließend von Hand mit einem Glättschwert oder maschinell mit einer Glättmaschine  geglättet. Calciumsulfat-Fließestrich wird entweder als vorgemischter Trockenmörtel im Silosystem bzw. in Säcken oder als fertig angemischter Fließestrich im Fahrmischer auf der Baustelle angeliefert. Mittels Schneckenpumpe wird der Mörtel in flüssiger Form auf die Einbaufläche gepumpt. Calciumsulfat-Fließestrich nivelliert sich weitgehend von selbst und die Oberfläche wird nur noch mit Hilfe einer „Schwabbelstange“ egalisiert. Fließestrichoberflächen sind sehr eben und dadurch z. B. hervorragend zur Aufnahme von großformatigen Plattenbelägen geeignet. Die Vorbereitung des Estrichuntergrundes ist bei Fließestrich besonders wichtig, da die Flächen für den Einbau eines flüssigen Mörtels gewissenhaft vorbereitet werden müssen. Hieraus resultiert dann aber auch ein sehr guter Schallschutz, da die Fläche wie eine „Wanne“ vorbereitet werden muss und alle Randbereiche mit Randdämmstreifen versehen werden. Hierdurch hat die Estrichplatte keine Verbindung zu angrenzenden Wänden oder Einbauteilen und es kann kein Körperschall übertragen werden. Ein weiterer Unterschied ist die Einbaudicke eines Calciumsulfat-Fließestrichs, die gegenüber einem Zementestrich i. d. R. geringer ausfallen kann. Hierdurch kann bei gleicher Einbauhöhe der gesamten Fußbodenkonstruktion z. B. eine dickere Wärmedämmung oder Trittschalldämmung verwendet werden. Auch ist bei Fließestrich in Verbindung mit einer Fußbodenheizung durch die dünnere Estrichplatte eine spürbar schnellere Ansprechzeit der Heizung zu erwarten. Fließestrich erreicht aufgrund seines dichten Gefüges i.d.R. deutlich höhere Biegezugfestigkeiten als ein Zementestrich und ist daher bei gleicher Estrichdicke höher belastbar. Ein „Aufschüsseln“ im Bereich der Estrichrandfuge findet bei Calciumsulfat-Fließestrich so gut wie nicht statt. Hierdurch reißen elastisch verschlossene Randfugen nach dem Verlegen von Belägen nicht auf und es entstehen keine unangenehmen „Schmutzfugen“.

Welche Vorteile hat die Schichtdickenreduzierung bei Fließestrich?

Durch die Schichtdickenreduzierung bei Fließestrichen werden in erster Linie die Aufheizzeiten in Verbindung mit einer Fußbodenheizung deutlich verkürzt. Damit reagiert das Fußbodenheizungssystem flexibler. Auch die Abkühlung bei Abschaltung der Heizung wird schneller umgesetzt. Ein weiterer Vorteil der Schichtdickenreduzierung ist die Möglichkeit diese verfügbare „Mehrhöhe“ in weitere bzw. dickere Wärmedämm- und Trittschalldämmschichten zu investieren. Dies wiederum zahlt sich in der Energieeinsparung aus. Geringere Estrichschichtdicken bedeuten auch einen geringeren Materialeinsatz. Dadurch können Rohstoffressourcen geschont werden.

Bin ich bei Fließestrich in der Wahl der Bodenbeläge wirklich frei?

Ja, auf Fließestrichen können alle üblichen Bodenbeläge wie Fliesen und Naturstein, Teppich, PVC, Linoleum, Parkett oder Laminat eingesetzt werden.

Welche Vorteile bringt die fugenlose Verlegung gerade bei diagonal verlegten großformatigen Fliesen oder länglichen Natursteinbelägen? Die fugenlose Verlegung spart Zeit und Geld für die Bauherren, da keine Estrichfugen im Bodenbelag übernommen werden müssen. Der Bodenleger kann erforderliche belagsabhängige Fugen unabhängig von dem fugenlosen Estrichuntergrund anlegen, wodurch das optische Gesamtbild eines Bodenbelags (z. B. bei diagonal verlegten Fliesen und Platten) deutlich schöner ausfällt.

Was sind eigentlich „Schmutzfugen“ und warum entstehen diese bei Fließestrich nicht?

Als Schmutzfugen bezeichnet man Fugen, die dadurch entstehen, dass sich ein Zementestrich im Verlauf des Trocknungsprozesses im Randbereich aufwölbt und diese Aufwölbungen (Aufschüsselungen) in den ersten 1-2 Jahren nach der Bodenbelagsverlegung teilweise wieder zurück gehen. Hierdurch entstehen z. B. durch Siliconabrisse  die sogenannten Schmutzfugen, in die u. a. Staub und Schmutzwasser eindringen kann. Bei Einsatz von Fließestrichen entstehen diese Schmutzfugen erst gar nicht, da Fließestriche nahezu verformungsfrei austrocknen und somit keine Randverformungen aufweisen.

 

Die Trocknung/Lüftung

Lüftung

Fließestriche zeichnen sich durch ein schnelles, spannungsarmes Erhärten aus. Hierdurch sind sie weitgehend unempfindlich gegenüber Zugluft. Ein Absanden der Estrichoberfläche oder ein Schüsseln aufgrund zu früher Lüftung gibt es im Gegensatz zu konventionellen Zementestrichen nicht. Dennoch sollten ein paar Aspekte bei der Lüftung beachtet werden:

  • 24 Stunden lang nach dem Estricheinbau Räume nicht belüften, um dem Estrich ausreichend Zeit zum Abbinden zu geben.
  • Anschließend, wenn der Estrich begehbar ist, kann mit dem Lüften begonnen werden. Damit wird auch ein weiteres Niederschlagen von Kondenswasser, z.B. an Fenstern, vermieden.
  • Nach zwei Tagen ist Zugluft nicht mehr schädlich, sondern im Gegenteil zur schnellen Trocknung des Estrichs sogar erwünscht (Fenster und Türen weit öffnen).

Eine gute Lüftung ist Voraussetzung für eine schnelle Trocknung des Estrichs. Die Luft kann nur eine begrenzte Menge an Wasser aufnehmen. Mit der Lüftung wird die verbrauchte, feuchte Luft durch frische, trockenere Luft ersetzt. Der Estrich kann die Feuchtigkeit an die frische Luft abgeben und trocknen. Ohne Luftwechsel kann ein Baustoff, wie z. B. ein Estrich, nicht trocknen. In der Tabelle sind Angaben gemacht, wie sich die Fensterstellung eines Raumes auf die Häufigkeit des Luftwechsels auswirkt.

Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass kein Niederschlagswasser durch die geöffneten Fenster und Türen eindringen kann. Auch darf eine zugehängte Fassade die Lüftung nicht verhindern oder die Estrichfläche durch Lagerung von Baustoffen o.ä. abgedeckt werden.

Wenn bei feuchter Witterung das Gebäude nicht beheizt ist, kann auch eine gute Lüftung nicht für eine schnelle Trocknung des Estrichs sorgen. Dann bietet sich eine technische Bautrocknung an, siehe Abschnitt Trocknung.

Trocknung

Wie alle mineralisch gebundenen Baustoffe müssen auch Estriche das überschüssige Zugabewasser, das nicht gebunden wird, an die Umgebungsluft wieder abgeben.
Zum zügigen Erreichen der Belegreife von Fließestrichen ist deshalb eine fachgerechte Trocknung nötig. Da Fließestriche schnell abbinden, kann mit der Trocknung früh begonnen werden. Auch dabei sind Verformungen (Schüsseln etc.) nicht zu befürchten.

Bei der Trocknung stehen dem Verarbeiter verschiedene Alternativen zur Verfügung: das „manuelle“ Verfahren durch kontinuierliches Öffnen von Fenstern und Türen (siehe Abschnitt Lüften) oder die Lösung mittels technischer Hilfen. Letztere können das Trocknungsverhalten maßgeblich beschleunigen.

Entgegen weit verbreiteter Ansicht trocknet der Estrich im Winter sehr gut, wenn die Räume beheizt sind. Durch Luftwechsel einströmende Kaltluft, die im beheizten Innenraum erwärmt wird, kann eine große Menge an Feuchtigkeit aufgenommen werden. Bei der (Stoß-)Lüftung werden diese große Mengen Feuchtigkeit relativ schnell abgeführt. Im Hochsommer dagegen herrscht gelegentlich ein Luftfeuchtigkeit nahe 90%, so dass die schon warme, feuchte Luft kaum noch Wasser aufnehmen kann. In kühlen Innenräumen kann es dagegen durch Kondensation an der Estrichoberfläche zu geringfügiger Feuchtigkeitsaufnahme kommen.

Ist eine gute Lüftung nicht durchführbar oder liegen andere ungünstige Trocknungsbedingungen vor, kann eine schnelle Trocknung mit Hilfe von Luftentfeuchtern erreicht werden. Für die Bautrocknung werden überwiegend Kondensationstrockner eingesetzt. Eine wirtschaftliche Arbeitsweise liegt in einem Temperaturbereich von 12 bis 30°C. Bei niedrigeren Temperaturen ist zusätzlich elektrisch oder mittels indirekten Heizgeräten zu beheizen, die keine Abgase in das Gebäude einleiten. Bei direkten Heizgeräten würden die Abgase zusätzlich Wasser in das Gebäude eintragen und der Trocknung entgegenstehen. Die Kondensationstrocknung ist eine Umlufttrocknung, das heißt, während der Trocknung müssen Fenster und Türen geschlossen bleiben. Für die Luftzirkulation ist z.B. durch Aufstellen von Ventilatoren Sorge zu tragen. Das anfallende Kondenswasser ist so abzuführen, dass Bauteile und Raumluft nicht wieder befeuchtet werden.

Die Größe und Anzahl der einzusetzenden Kondensationstrockner ist vom Raumvolumen und von der vorhandenen Baufeuchte abhängig.

Trocknung Heizestriche

Die Trocknung wird bei einem Heizestrich durch das Aufheizen beschleunigt. Bei Fließestrichen kann mit dem Aufheizen bereits schon nach 4 bis 7 Tagen nach dem Einbau, je nach Herstellerangabe, begonnen werden. Mit dem Aufheizen kann der Estrich seine Feuchtigkeit schneller abgeben und die Luft kann durch Erwärmung mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das bedeutet, dass die Trocknungszeit auch bei einem Heizestrich von der Art und Weise der Lüftung abhängt. Das ständige Schließen der Fenster zur Vermeidung von Wärmeverlusten verhindert gleichzeitig das notwendige Trocknen des Estrichs.

Wann kann man mit dem Fliesen beginnen und wie lange muß man warten ?

Unverzichtbar: Das Funktionsheizen

Das Problem ist bekannt:

Kaum liegt das Fusbodenheizungssystem und gerade ist der Estrich gegossen – schon will der Bauherr die Fläche nutzen und die Möbel einräumen. Unter diesem Termindruck wird dann gerne schon mal auf das Funktionsheizen verzichtet. Aber Vorsicht: Das Funktionsheizen ist sowohl für den Heizungsbauer, als auch den Estrichleger ein ganz wichtiges Element des Nachweises der Funktionalität der Konstruktion. Deswegen muss dieses unbedingt vor der Verlegung des Oberbelags durchgeführt werden. Nur so lasst sich nachweisen, dass der Estrich nicht reist, wenn er später aufgeheizt wird. Was aber, wenn der mit Fliesen belegte Estrich reist und vor dem Fliesenlegen kein Funktionsheizen durchgeführt wurde? Die Rechtsprechung ist hier eindeutig: Dann hat der Fliesenleger zumindest den Schaden an der Keramik zu tragen! Man kann sich leicht vorstellen, was dies im Einzelfall für den Verarbeiter bedeuten kann. Daher gilt Folgendes:

Sollen Fliesen verlegt werden, müssen vor Verlegebeginn die unterzeichneten Aufheiz- und CM-Protokolle zur abschließenden Bewertung des Untergrunds vorliegen. Heften Sie diese in der Bauakte ab! Mit dem Funktionsheizen kann bei Zementestrichen frühestens nach 21 Tagen, bei Calciumsulfatestrichen nach 7 Tagen begonnen werden. Bei mit Sopro RapidurR Schnellestrich hergestellten Estrichen ist es möglich, bereits nach 3 Tagen mit dem Funktionsheizen zu beginnen.

Vom Funktionsheizen zu unterscheiden ist das Belegereifheizen. Es dient ausschließlich dem Zweck, einen Estrich, welcher die zulässige Restfeuchte noch überschreitet, entsprechend zu trocknen. Was uns auch gleich zur nächsten Frage führt, nämlich „Wann kann ein Belag nach Ende der Klebe- und Fugarbeiten wieder aufgeheizt werden?“ Gemas dem ZDB-Merkblatt „Beläge auf Zementestrich“ ist dies nach 28 Tagen der Fall. Bei der Verwendung der normalerhärtenden Sopro Flexkleber wie Sopro’s No.1 Flexkleber oder Sopro FKM XL empfehlen wir eine Wartezeit von 14 Tagen, bei Schnellklebern wie Sopro’s No.1 schnell oder Sopro VarioFlexR schnell von 7 Tagen. In diesem Zusammenhang ist durch den Verleger klar und deutlich zu kommunizieren, dass ein frisch verlegter Fliesenbelag vor Ablauf der oben genannten Wartezeit nicht aufgeheizt werden darf, da dies Schaden an der Verklebung nach sich ziehen kann. Hier ist eine Ruhezeit durch den Verleger vorzugeben.

Dies gilt selbstverständlich auch für alle anderen namhaften Hersteller von Markenprodukten ( siehe Startseite "Home".